
Viszerale Osteopathie: Die Behandlung der Organe
Viszerale Osteopathie
Was ist eigentlich Osteopathie?
Osteopathie gilt in Deutschland als eine Heilkunst, welche nur von Personen mit einer Heilerlaubnis angewendet werden darf. Diese Heilerlaubnis besitzen Ärztinnen und Ärzte sowie HeilpraktikerInnen.
Osteopathie wird zu den manuellen Therapien gezählt. Weitere Berufsgruppen sind PhysiotherapeutInnen und ChiropraktikerInnen. Der Begriff manuell ist aus dem Lateinischen Wort für die Hand – Manus – abgeleitet.
Nach einer ausführlichen Anamnese folgt eine gründliche körperliche Untersuchung.
Diese findet zum Einen, falls nötig, im orthopädischen und neurologischen Bereich statt, um ernsthafte Grunderkrankungen auszuschließen.
Außerdem werden Funktionsstörungen in verschiedenen Regionen des Körpers identifiziert und anschließend behandelt. Um die Verhärtungen und/oder Bewegungseinschränkungen zu ertasten, braucht man ein gutes Fingerspitzengefühl. Daher dauert eine qualifizierte Ausbildung oder ein Studium der Osteopathie mindestens vier Jahre.
Das Ziel einer osteopathischen Behandlung ist, ein neues Gleichgewicht im Körper anzuregen. Dies gelingt durch eine positive Beeinflussung der Funktion von Muskeln, Faszien, inneren Organen und des Nervensystems.
Durch die äußeren, manuellen Impulse werden die körpereigenen Selbstheilungskräfte aktiviert. Der eigene Körper arbeitet also zwischen den Behandlungen daran, sich selbst zu regulieren.
In der Osteopathie wird der Körper in drei Hauptsysteme eingeteilt:
Parietales System:
hierunter fallen Faszienverklebungen, Verhärtete Muskulatur, z.B. Triggerpunkte, Probleme in den Sehnen und Bändern und Gelenkfehlstellungen
Viszerales System:
hier behandeln wir Erhöhte Spannungszustände von Organen, z.B. ein verkrampfter Darm, Verminderte Verschieblichkeit eines Organs, z.B. Blase, Verminderter „Ausdruck“ der minimalen Bewegungen des Organs sowie Mangelnde Gleitfähigkeit zwischen zwei Organen, z.B. Lunge und Herz
Craniosacrales System:
hierunter fallen vverminderte Beweglichkeit der Schädelnähte, unflexible Rückenmarkshäute im Schädel oder im Kreuzbein, Verminderter „Ausdruck“ der minimalen Schädelbewegungen und Fehlstellungen der Kopfgelenke
Je nach persönlichen Befund, wählt der oder die behandelnde OsteopathIn geeignete Techniken aus, um Dysfunktionen zu lösen.
Was bedeutet “viszeral”?
Der Fachterminus “viszeral" bedeutet übersetzt "die Eingeweide betreffend" und stammt vom lateinischen Wort "viscera" ab.
Die Viszera beinhaltet also alle inneren Organe:
- Verdauungsorgane (z.B. Magen, Darm, Leber)
- Herz und Lunge
- Blase, Niere
- Uterus, Eierstöcke, Prostat
sowie deren Organkapseln und -faszien, Arterien und Venen, versorgenden Nerven und bandartigen Aufhängungen (= Ligamente).
Was ist viszerale Osteopathie?
Der Begründer der Osteopathie, Andrew Taylor Still († 1917), war der Ansicht, dass die Ursache für Funktionsstörungen/Krankheiten im menschlichen Körper eine beeinträchtigte Zirkulation der Körperflüssigkeiten ist.
Seitdem hat sich die Osteopathie weiterentwickelt. Die Grundannahme, dass Gesundheit dort behindert wird, wo Bewegungseinschränkungen sind, ist geblieben. Aber nicht nur die Körperflüssigkeiten (Blut und Lymphe), sondern auch Muskeln, Nerven und Knochen büßen manchmal an Bewegungsausmaß ein.
Das Repertoire der viszeralen Behandlungsmöglichkeiten reicht von lymphatischen Pump-Techniken (z.B. an der Leber oder der Hüfte), Dehnung von Blutgefäßen und Nerven, Anregung der Organ-Eigenbewegung bis zur externen Mobilisierung und soft tissue releases (Bindegewebsentspannung). Alle zielen darauf ab, den Durchfluss von Blut und Lymphe zu verbessern. Weiterhin werden eine bestmögliche Verschieblichkeit und Nervenfunktion angestrebt.
WER ES GENAU WISSEN WILL
Anatomisch und physiologisch sind die Organe über den versorgenden Spinalnerv mit dem zugehörigen Wirbelkörper verbunden. Über diesen sog. viszeralen Reflexbogen kann eine Schmerzübertragung zwischen Organ und Muskel-Skelett-System stattfinden.
Deswegen kann eine Mobilisierung der Unterbauchorgane zu einer Reduktion von Rückenschmerzen führen. Durch eine weitere Behandlung der umliegenden Wirbelsäulenregion – z.B. mittels Manipulation – kommt es zu einer Harmonisierung des Nervengewebes.
Werden viszerale Dysfunktionen rechtzeitig behandelt, kann eine Chronifizierung von Schmerzen, z.B. im unteren Rücken, verhindert werden. Bestehen solche schon eine lange Zeit, trägt die viszerale Osteopathie dazu bei, die Schmerzzustände herunterzuregulieren.
Beispiele für Organerkrankungen, welche mittels viszeraler Osteopathie behandelt werden können
ENDOMETRIOSE
Was passiert da genau?
Bei Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb des Uterus. Dies kann an jeder Stelle des Körpers geschehen. Häufig sind Eierstöcke und Darm betroffen.
Die Ursachen für Endometriose sind noch ungeklärt. Es wird angenommen, dass sich das Endometriose-Gewebe mit dem Menstruationszyklus periodisch aufbaut und abblutet. Allerdings kann das mit der Blutung abgestoßene Gewebe die Körperstelle nicht verlassen. Es kommt zu einer lokalen Stauung.
Diese Prozesse führen zu chronischen Entzündungen, Vernarbungen und Verwachsungen an den betroffenen Stellen. Die sog. Adhäsionen beeinträchtigen das Weichteilgewebe. Sie reagieren sensibel auf Schmerzreize und können zu Verstopfung, Unterleibsschmerzen und Unfruchtbarkeit beitragen.
Welche Anpassungen passieren dadurch im Körper?
Patientinnen mit Endometriose nehmen zur Schmerzlinderung häufig eine eingerollte Körperhaltung ein. Dies kann langfristig zu Problemen in der Körperstatik führen und den Beckenboden überlasten. Häufig herrscht im gesamten Körper eine hohe Grundspannung.
Wie kann die viszerale Osteopathie mir helfen?
Durch sanfte Zug- und Drucktechniken können beispielsweise Blase und/oder Uterus manuell angehoben werden.
Auch eine Dehnung der Blasenbänder mit einem langen Hebel über die Beine kann sich positiv auf die Beckenmobilität auswirken.
Verklebungen zwischen Dickdarmabschnitten und der Faszie des Iliacus-Muskels (dieser kleidet die Beckenschaufeln aus) können ebenfalls mithilfe der Hände gelöst werden.
Viele Patientinnen profitieren von einer gesteigerten “Geschmeidigkeit” der Bauch- und Beckenorgane.
REIZDARMSYNDROM
Was passiert da genau?
Aktuell wird angenommen, dass das Reizdarmsyndrom (RDS) durch ein Zusammenkommen verschiedener Faktoren entsteht:
- dysreguliertes autonomes Nervensystem
- gestörte Darm-Hirn-Achse
- lokale Entzündungen
- ungünstige Zusammensetzung des Mikrobioms
Wie kann die viszerale Osteopathie mir helfen?
Aufgrund der Komplexität des Reizdarmsyndroms gibt es wenige medikamentöse Therapieoptionen. Manuelle Therapieformen können unterstützen und Nebenwirkungen kommen hier nur in sehr seltenen Ausnahmefällen vor.
Insbesondere die Osteopathie eignet sich hervorragend, um das autonome Nervensystem zu behandeln. Sie kann dazu beitragen, das Nervensystem auszugleichen und Entzündungen zu regulieren.
Beispielsweise wird während einer craniosacralen die Aktivität der Hirnnerven beeinflusst. Meistens befindet sich der oder die OsteopathIn sitzend am Kopf, berührt diesen und gleicht Spannungsmuster aus.
Studien und Übersichtsarbeiten aus der osteopathischen Forschung haben ergeben, dass die Symptome Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen signifikant reduziert werden konnten. Es wurden Nerven- und Lymphsystem, Magen-Darm-Trakt und Beckenboden osteopathisch-viszeral therapiert. Die Symptome chronischer Verstopfung konnten ebenfalls etwas reduziert werden. Über eine verbesserte Lebensqualität der PatientInnen wurde ebenfalls berichtet.
Techniken für die Organe des Verdauungstrakts umfassen sanfte Dehnungen der Faszien und intensivere Mobilisationen der Bänder – z.B. zwischen Magen und Leber. Weiterhin existieren Behandlungsoptionen, um den Durch- und Abfluss anzuregen. Hierzu werden häufig Vibration und Pumpbewegungen kombiniert.
Welchen Einfluss hat die Ernährung?
Sowohl für Endometriose, als auch fürs Reizdarmsyndrom, kann eine Ernährungsumstellung zu einer Symptomverbesserung beitragen. Eine antientzündliche Ernährungsweise mit viel Obst und Gemüse, hochwertigen Fettquellen (Omega-3) und Ballaststoffen kann den Körper unterstützen, Entzündungen zu begegnen.
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Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir während der Behandlung der PatientInnen nicht erreichbar sind. Wir rufen Sie aber im Anschluss schnellstmöglich zurück.