Wie Osteopathie bei Verdauungsbeschwerden hilft

Wie Osteopathie bei Verdauungsbeschwerden hilft

Inhaltsverzeichnis

Der ultimative Guide: Wie Osteopathie bei Verdauungsbeschwerden hilft

In Deutschland sind Verdauungsbeschwerden ein weit verbreitetes Phänomen.
Rund ein Drittel der in Deutschland lebenden Menschen waren im Jahr 2022 von Symptomen wie Sodbrennen, Völlegefühl, Obstipation oder Durchfall betroffen[1].

Weitere mögliche Symptome bei einem dysregulierten Verdauungssystem sind:

○      Dyspepsie (Reizmagen)

○      Schmerzen oder allg. Druckgefühl

○      Völlegefühl

○      Übelkeit

○      Erbrechen

○      Meteorismus (Blähbauch)

○      Stuhlentleerungsstörungen

○      Gewichtszunahme- oder abnahme

Wie entstehen Verdauungsbeschwerden?

Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts lassen sich in zwei Gruppen unterteilen:[2]

FUNKTIONSSTÖRUNGEN AUF ORGANISCHER EBENE

In dieser Gruppe ist eine primäre Grunderkrankung für die Symptome verantwortlich. Diese ist durch Untersuchungstechniken der Medizin (Endoskopie, Ultraschall, Blutbild) eindeutig diagnostizierbar. Beispiele sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie und verschiedene Gallenblasenerkrankungen.

FUNKTIONELLE ODER UNSPEZIFISCHE STÖRUNGEN

Zu dieser Gruppe werden alle anderen Beschwerdebilder gezählt. Der Verdauungsapparat besteht aus unterschiedlichen Abschnitten, dementsprechend heterogen sind die Diagnosen. Die Diagnosen in diesem Feld sind stets von den Symptomen abgeleitet. Sie beschreiben also lediglich das Beschwerdebild ohne exakte Definition der Ursachen. Häufig kommen mehrere unspezifische Störungen zusammen.

Im speziellen Fall des Reizdarmsyndroms sind sich Forschende über den Einfluss der Psyche auf ursächlicher Ebene uneinig. In Studien konnte eine Korrelation von psychologischen Faktoren, wie beispielsweise Depressivität, beobachtet werden. Ob jedoch ein kausaler Zusammenhang vorliegt, bleibt offen.

Es hat sich jedoch gezeigt, dass vor allem langanhaltender Stress zur Aufrechterhaltung des Beschwerdebilds beiträgt[3].

Wie läuft eine osteopathische Behandlung ab?

Die Osteopathie betrachtet Körper und Geist als eine Einheit, wobei OsteopathInnen einen körperbasierten Ansatz in der Behandlung verfolgen.
Durch eine ausführliche Anamnese sowie körperliche Untersuchung werden Körperregionen identifiziert, welche die Regulationskräfte des Körpers behindern.

Die Behandlung erfolgt ganzheitlich, was bedeutet, dass alle gefundenen Dysfunktionen aufgelöst werden. Es wird nicht ausschließlich das symptomatische Areal therapiert. So werden die körpereigenen Selbstheilungskräfte aktiviert[4].

Dysfunktionen im osteopathischen Sinne können sich in in den folgenden drei Ebenen befinden:

Parietales System

Viszerales System

Craniosacrales System

Faszienverklebungen

Erhöhte Spannungszustände von Organen, z.B. ein verkrampfter Darm

Verminderte Beweglichkeit der Schädelnähte

Verhärtete Muskulatur, z.B. Triggerpunkte

Verminderte Verschieblichkeit eines Organs, z.B. Blase

Unflexible Rückenmarkshäute im Schädel oder im Kreuzbein

Probleme in den Sehnen und Bändern

Verminderter „Ausdruck“ der minimalen Bewegungen des Organs

Verminderter „Ausdruck“ der minimalen Schädelbewegungen

Gelenkfehlstellungen

Mangelnde Gleitfähigkeit zwischen zwei Organen, z.B. Lunge und Herz

Fehlstellungen der Kopfgelenke

Um gefundene osteopathische Dysfunktionen aufzulösen, stehen eine Reihe von manuellen (= mit den Händen) Techniken zur Verfügung. Ziel dabei ist, die Funktion bzw. Gleitfähigkeit der verschiedenen Körpergewebe zu verbessern.

Wie kann mir Osteopathie bei meinen Verdauungsbeschwerden helfen?

EIN WENIG ANATOMIE

Der Verdauungsapparat ist für die Aufnahme und  Zerkleinerung der Nahrung verantwortlich. Außerdem werden, v.a. im Dünndarm, die Nährstoffe ins Blut aufgenommen.

Er umfasst zwei Abschnitte:

Oberer Verdauungstrakt

Mundhöhle und Zunge

Speiseröhre

Magen

Unterer Verdauungstrakt

Dünn- und Dickdarm

Leber

Pankreas

Gallenblase

Die Nervenbahnen, welche die Ober- und Unterbauchorgane des Verdauungssystems steuern, befinden sich im Rückenmark. Dieses verläuft geschützt im Wirbelkanal der Wirbelsäule. Das Nervensystem für die Verdauung nutzt diese "Datenautobahn”, um die Bewegungen des Darms zu regulieren.

So wird der Transport des Nahrungsbreis gesteuert. Zudem übermitteln die Organe über diesen Weg sensorische Signale an das Gehirn. Registriert der Magen eine gewisse Dehnung, wird das Hungergefühl absteigend runterreguliert.

Die Osteopathie bietet mehrere Anlaufstellen, um einen Einfluss auf funktionelle Störungen der verdauungs-assoziierten Organe zu nehmen. Ziel dabei ist, ein neues Gleichgewicht herzustellen, welches der Körper eigenständig aufrechterhalten kann.

Parietal

Im parietalen System spielen für die Dickdarmfunktion vor allem die LWS und das Becken eine wichtige Rolle. Muskuläre Ungleichgewichte in diesem Bereich können Züge auf die knöchernen Strukturen ausüben und deren Stellung beeinträchtigen. Behandlungstechniken zur Verbesserung der Flexibilität umfassen Triggerpunkttherapie, An- und Entspannungstechniken der umliegenden Muskulatur sowie Manipulationstechniken für knöcherne Strukturen.

Treten die Beschwerden vermehrt im Oberbauch – also im Magen, in der Leber oder Gallenblase – auf, sind vor allem die HWS sowie die obere BWS für OsteopathInnen interessant.

Während der Untersuchung wird die Bewegungsfähigkeit von Kopf und Rumpf getestet. Eventuell vorliegende Gelenkfehlstellungen, Muskelverhärtungen oder “steife” Sehnen können das Bewegungsausmaß des Schulter-Nacken-Bereichs einschränken.
Die Osteopathie liefert eine Reihe an Techniken für die Muskeln und deren Bindegewebe. Von recht intensiven, faszialen Triggerbändern bis hin zu sanften Weichteil-Release-Techniken ist für alle etwas dabei!

Viszeral

Neben Schmerzen in diesem Bereich können auch die Organfunktionen beeinträchtigt werden.

Befindet sich ein Organ selbst in Dysfunktion – ist z.B. die leber-umhüllende Faszie in ihrer Gleitfähigkeit eingeschränkt – können diese Verklebungen manuell gelöst werden.

Bei einem verkrampften Darm können detonisierende Techniken Abhilfe schaffen, um den Darm zu beruhigen. Die unteren Dickdarmschlingen ruhen in den Beckenschaufeln. Diese werden von einem Hüftmuskel ausgekleidet (M. iliopsoas). Dessen Faszie verklebt sich gerne mit dem Darm und das sorgt für Spannung. Durch Anwendung eines sanften Zugs am Dickdarmabschnitt, können die beiden Gewebeschichten wieder voneinander getrennt werden.

Die viszerale Osteopathie beschäftigt sich nicht ausschließlich mit den Verdauungsorganen. Die Viszera umfasst alle Eingeweide, sprich auch Lunge, Herz, Nieren usw.

Die Unterbauchorgane, wie Blase oder Uterus, befinden sich anatomisch in der Nähe des Dickdarms. Daher werden diese eingangs in der Untersuchung befundet und gegebenenfalls mitbehandelt.

Hier können Sie mehr über die viszerale Osteopathie lernen

Craniosacral  

Das craniosacrale System verbindet den Schädel (lat. Cranium) mit dem Kreuzbein (lat. Sacrum). Das verbindende Element stellen die Rückenmarkshäute dar, welche sich auch innerhalb des Kopfes (=Hirnhaut) befinden. Die Gewebespannung und -bewegung der Schädelnähte, Schädelknochen und der Hirnhaut sind im Vergleich zum Bewegungsausmaßes einer Schulter minimal.

Daher verfolgt die craniosacrale Osteopathie einen sanften Behandlungsansatz für den Kopf und das Kreuzbein.

Im Fall von unspezifischen Verdauungsbeschwerden aller Art ist häufig die nervale Ansteuerung der Verdauungsorgane mitbetroffen[5].

Einer der wichtigsten Nerven für die Verdauung – der N. vagus – entspringt dem Gehirn. Auf dem Weg zu seinem Zielorgan, z.B. dem Magen, passiert er mehrere Engstellen. Beispielsweise verlässt er den Schädel durch eine Durchgangsstelle zwischen dem Hinterhaupts- und dem Schläfenbein. Befinden sich diese Knochen zueinander in Dysfunktion, kann der oder die OsteopathIn die feinen Spannungsmuster ausgleichen und dadurch eine große Wirkung im Verdauungssystem erzielen.

Zusätzlich wird der Körper in Richtung Entspannung geleitet, was sich ebenfalls positiv auf die Verdauung auswirkt.

Welche Rolle spielt das Mikrobiom?

Ein weiterer Einflussfaktor auf das Verdauungssystem stellt die Fehlregulation der sog. Darm-Hirn-Achse dar. Diese ist für die Kommunikation zwischen dem Gehirn und dem Nervensystem des Darms (“Bauchhirn”) verantwortlich.

In unserem Darm leben die unterschiedlichsten Mikroorganismen, hauptsächlich Bakterien. Die Gesamtheit aller wird als Mikrobiom bezeichnet. Wir leben mit unseren “DarmmitbewohnerInnen” in enger Symbiose. Die Mikrobiota stellen für uns Nährstoffe bereit und unterstützen das Immunsystem. Außerdem haben sie einen enormen Einfluss auf die Funktionsfähigkeit der Darm-Hirn-Achse[6].

Die Mikrobiom-Forschung ist noch nicht so weit, um medikamentös zielgerichtet und nachhaltig auf dessen Zusammensetzung einzuwirken. Allerdings sind uns bereits Faktoren bekannt, welche sich ungünstig auf die Zusammensetzung der Mikroben auswirken. Dazu zählen Bewegungsarmut, eine nährstoffarme Ernährungsweise, aber auch eine häufige Einnahme von Antibiotika.

Eine wichtige Säule für das Management von Verdauungsbeschwerden aller Art ist die Diätetik. Denn Studien haben uns auch zeigen können, was unser Mikrobiom liebt: genügend Ballaststoffe, Prä- und Probiotika, …

Durch Ernährungsanpassungen können Sie Ihren Körper und Ihr Mikrobiom unterstützen und im Gesundungsprozess optimal unterstützen[7].

[1] Statista Consumer Insights, „Gesundheitliche Beschwerden in Deutschland 2023“. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/671474/umfrage/umfrage-zu-gesundheitlichen-beschwerden-in-deutschland/, abgerufen am 17.02.2026

[2] Frieling, „Funktionsstörungen im Verdauungstrakt und funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen”. Arzneimitteltherapie, 2017

[3] Płóciennik-Korycka et al., „Exploring Manual Therapy in the Management of Irritable Bowel Syndrome in Adults”. Complementary Therapies in Medicine, 2025

[4] Franke et al., ‘Osteopathic Manipulative Treatment for Chronic Nonspecific Neck Pain: A Systematic Review and Meta-Analysis’. International Journal of Osteopathic Medicine, 2015)

[5] Collebrusco et Lombardini, „What About OMT and Nutrition for Managing the Irritable Bowel Syndrome?“. Explore, 2014

[6] Collebrusco et Lombardini, „What About OMT and Nutrition for Managing the Irritable Bowel Syndrome?“, Explore, 2014

[7] Collebrusco und Lombardini, „What About OMT and Nutrition for Managing the Irritable Bowel Syndrome?“, Explore, 2014

Wie Osteopathie bei Verdauungsbeschwerden hilft

Teile den Beitrag:
Kontakt & Termin­vergabe

Buchen Sie sich Ihren Termin einfach Online oder rufen Sie uns an!

Für die Terminvergabe können Sie die Termine in der Praxis gleich online über unser Buchungs­tool buchen. Außerdem können Sie uns telefonisch und per E- Mail auch außerhalb der Öffnungs­zeiten erreichen.

Sollten Sie aufgrund eingeschränkter Mobilität auf einen Haus­besuch angewiesen sein, ist auch dies in unserer Funktion als Heil­praktiker für Osteo­pathie in Hamburg möglich. Bitte rufen Sie uns hierzu gerne an.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir während der Behand­lung der Patient­Innen nicht erreichbar bin. Wir rufen Sie aber im Anschluss schnellst­möglich zurück.