
Der ultimative Guide: Wie Osteopathie bei Rückenschmerzen hilft
Schmerzen im unteren Rücken betreffen jährlich ca. knapp zwei Drittel der in Deutschland lebenden Menschen. Damit sind sie weit verbreitet und ein häufiger Konsultationsgrund für eine osteopathische Behandlung.
Wie entstehen Rückenschmerzen?
STRUKTURELL?
Hier ist eine primäre Grunderkrankung für die Schmerzen verantwortlich. Treten zusätzlich Ausstrahlungen ins Gesäß oder in die Beine sowie Kribbeln und/oder Taubheitsgefühle auf, könnte ein struktureller Schaden vorliegen. Weit verbreitete Beispiele hierfür sind Bandscheibenvorfälle.
Die Erkrankung ist durch Untersuchungstechniken der Medizin (Endoskopie, Ultraschall, Blutbild) eindeutig diagnostizierbar.
ODER FUNKTIONELL/UNSPEZIFISCH?
Kann eine zugrundeliegende Krankheit ärztlich nicht diagnostiziert werden, spricht man von sog. funktionellen Kreuzschmerzen. Diese kommen weit häufiger vor als Strukturelle.
Bei der Entstehung von unspezifischen Beschwerden des unteren Rückens wird aktuell von einem Zusammenspiel aus körperlichen, psychologischen und sozialen Faktoren ausgegangen:
Soziale Faktoren
- Langes Sitzen aufgrund der beruflichen Tätigkeit
- Hohe körperliche Anforderungen der beruflichen Tätigkeit (z.B. Maler- und TischlerInnen, Krankenpflege)
Körperliche Faktoren
- Fehlhaltungen oder -belastungen
- Bewegungsmangel und Übergewicht
- Alter
- Geschlecht
- Hypermobilität
- Erhöhter Konsum von Genussmitteln (Nikotin, Alkohol)
- Alte Verletzungen, z.B. Stürze, Brüche, Auffahrunfälle, Operationen
Ein weiterer körperlicher Einflussfaktor stellt das sog. Schmerzgedächtnis dar. Je länger ein Schmerzreiz besteht, desto schneller reagiert das zentrale Nervensystem. Wir empfinden Schmerzen früher und stärker - bei gleichem Reiz. Deswegen ist es so wichtig, bei akuten Schmerzen Schmerzmittel – wie Paracetamol oder Ibuprofen – einzunehmen. So wird diesem Prozess entgegengewirkt.
Psychologische Faktoren
- Chronischer Stress über einen langen Zeitraum und dessen negative emotionale Bewertung
- Neigung durchhalten zu wollen oder die Zähne zusammenzubeißen
- Neigung zum Katastrophisieren, z.B. im Rahmen von psychischen Erkrankungen
- Pessimismus
- Dysfunktionale Glaubenssätze (z.B. „Ich muss das schaffen“)
Wie läuft eine osteopathische Behandlung ab?
Die Osteopathie betrachtet Körper und Geist als eine Einheit, wobei OsteopathInnen einen körperbasierten Ansatz in der Behandlung verfolgen.
Nach einer ausführlichen Anamnese erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung.
Diese findet zum Einen – falls nötig – im orthopädischen und neurologischen Bereich statt, um ernsthafte Grunderkrankungen auszuschließen. Außerdem werden Körperregionen identifiziert, welche die Regulationskräfte des Körpers behindern.
Die Behandlung erfolgt ganzheitlich, was bedeutet, dass alle gefundenen Dysfunktionen aufgelöst werden. Es wird nicht ausschließlich das symptomatische Areal therapiert. So werden die körpereigenen Selbstheilungskräfte aktiviert.
Dysfunktionen im osteopathischen Sinne können sich in in den folgenden drei Ebenen befinden:
Parietales System: äußert sich in Faszienverklebungen, Verhärtete Muskulatur- z.B. Triggerpunkte, Probleme in den Sehnen und Bändern, Gelenkfehlstellungen
Viszerales System: äußert sich in Erhöhten Spannungszuständen von Organen- z.B. ein verkrampfter Darm, Verminderter Verschieblichkeit eines Organs-z.B. Blase und mangelnder Gleitfähigkeit zwischen zwei Organen, z.B. Lunge und Herz
Craniosacrales System: äußert sich in verminderter Beweglichkeit der Schädelnähte, unflexibler Rückenmarkshäute im Schädel oder im Kreuzbein, vermindertem „Ausdruck“ der minimalen Bewegungen des Organs, verminderterm„Ausdruck“ der minimalen Schädelbewegungen und/ oder Fehlstellungen der Kopfgelenke.
Je nach persönlichen Befund, wählt der oder die behandelnde OsteopathIn geeignete Techniken aus, um gefundene Dysfunktionen zu lösen.
Das Ziel der Therapie ist, ein neues Gleichgewicht im Körper anzuregen. Dies gelingt durch eine positive Beeinflussung der Funktion von Muskeln, Faszien, inneren Organen und des Nervensystems.
Wie kann mir Osteopathie bei meinen Rückenschmerzen helfen?
EIN WENIG ANATOMIE
Die Lendenwirbelsäule, das Kreuzbein und das Becken bilden eine funktionelle Einheit. Dort findet die Gewichtsverteilung des Rumpfes auf beide Beine statt. Für eine ausgeglichene Statik sind insbesondere die Fußstellung und die Ausrichtung des Beckens entscheidend. Ist das Becken zu weit nach vorne gekippt, gleicht eine Hyperextension (= „Hohlkreuz“) in der Lendenwirbelsäule dies aus. Dadurch entsteht Stress auf alle umliegenden Strukturen, z.B. Nieren, Darm und Rückenmarkshäute. Eine Knick-Senk-Spreizstellung eines oder beider Füße kann sich ebenfalls aufsteigend über Muskelketten auf das Hüftgelenk auswirken.
Parietale Behandlung
Bei unteren Rückenschmerzen kommen fasziale Verklebungen am Ober- und Unterschenkel sowie eine verspannte Gesäßmuskulatur recht häufig vor. Außerdem ist einer der Hüftbeuger (lat. M. iliopsoas) oft verspannt. Dieser setzt an der Lendenwirbelsäule an und kann die dortigen Wirbelkörper durch Zug“verschieben”.
Durch Behandlung des muskulären Ungleichgewichts mittels einer Muskel-Energie-Technik werden zugleich Muskel und Wirbelsäule therapiert.
Manchmal zeigen sich in der körperlichen Untersuchung auch Defizite bestimmter Muskelgruppen, z.B. der schrägen Bauchmuskeln. Dafür bekommen Sie dann kräftigende Übungen für Ihr Krafttraining gezeigt.
Viszerale Behandlung
Jedes Organ hat eine bandartige „Aufhängung“ im Körper.
Für Kreuzschmerzen sind u.a. die Organe Blase, Uterus und Dickdarm interessant. Diese befinden sich alle in der Nähe des Beckens. Indem ein Organ wieder mehr Beweglichkeit zurückerlangt, wird auch die Statik positiv beeinflusst.
Beispielsweise kann durch eine Behandlung der Blase mittels einer Anhebungstechnik, ein positiver Einfluss auf das Becken genommen werden. Auch eine Detonisierung eines verkrampften Darmabschnitts kann zu einer deutlichen Minderung der Beschwerden beitragen.
Craniosacrale Behandlung
Das craniosacrale System verbindet den Schädel (lat. Cranium) mit dem Kreuzbein (lat. Sacrum). Das verbindende Element stellen die Rückenmarkshäute dar, welche sich auch im Kopf fortsetzen.
Im Fall von Schmerzen in der Lendenwirbelsäule schauen OsteopathInnen deswegen auch, wie der allgemeine Ausdruck am Schädel ist.
Um Dysfunktionen zu lösen, kommen meist ruhigere Behandlungstechniken am Kopf oder Kreuzbein zum Einsatz. Durch eine Verbesserung der Flexibilität dieses Systems kann zudem ein beruhigender Einfluss auf das Nervensystem genommen werden.
Klicken Sie hier, wenn Sie mehr über das Nervensystem und die Frage „Warum fühle ich mich so müde nach einer Behandlung?“ erfahren möchten.
WER ES GENAU WISSEN WILL
Häufig gehen mit den Schmerzen auch Bewegungseinschränkungen einher, was die Psyche sehr belasten kann.
Dass Körper und Psyche nicht getrennt voneinander existieren, konnte in der Hirnforschung erstmals belegt werden: Diejenigen Gehirnareale, welche das Schmerzempfinden verarbeiten, werden ebenso durch Emotionen und Verhaltensweisen beeinflusst. Dem folgend ist es unmöglich, Schmerzen zu empfinden, ohne diese gleichzeitig emotional zu bewerten. Zum Beispiel als „halb so schlimm“ oder „wird es jemals aufhören weh zu tun“.
Auf neurobiologischer Ebene wirken osteopathische Behandlungen auf interne Kommunikationswege ein - wozu auch die Entwicklung eines Schmerzgedächtnisses zählt.
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